Direkt zum Textinhalt springen
Hier folgt die Adresse und Kontaktdaten
mariteam Equipment KG
E-Mail Symbol

 

 

Prüfungstörn auf einem Volvo Ocean Racer

 

11.-17.6.2008

 

Ein kleiner sportlich orientierter Kreis von mariteam Seefahrtschülern hatte von 11.-17.6.2008 die einmalige Gelegenheit ihre FB 2 bzw. FB 3 Prüfung auf einem Original Volvo Ocean Racer, der legendären ASSA ABLOY, die beim Volvo Ocean Race 2001/02 den 2. Platz belegt hatte, abzulegen. Und das auf einer sehr anspruchsvollen Route. Von Falmouth im Südwesten Englands zunächst durch den englischen Kanal mit dessen starken Gezeitenströmungen und dem extrem dichten Schifffahrtsverkehr in der Straße von Dover, hinaus in die rauhe Nordsee, West-Ost Passage der gesamten Nordsee, Einfahrt in die Elbemündung und Fahrt durch Nord-Ostseekanal mit Zielhafen Kiel.

 

Auch heute noch sind die technischen Daten der ASSA ABLOY erstaunlich: Länge 19,5 m, Breite 5,25 m, Tiefgang 3,8 m, Gesamtgewicht 13.5 t, Masthöhe 28 m, Großsegel 117 qm, Genua 83 qm, Gennaker 330 qm. Für das aus 12 Mann bestehende mariteam Team, das am Abend des 10.6. in Falmouth eintraf, waren aber nicht nur die Dimensionen der ASSA beindruckend, sondern vor allem auch, dass sich das Schiff nach wie vor im Originalzustand des Vovo Ocean Race befindet. Eigner Hannes Schwarz, der die ASSA wie seinen Augapfel hütet, ist es hoch anzurechnen, dass er dem Schiff nicht aus Gründen der Bequemlichkeit die Flügel gestutzt und es zu einer entschärften faden Fahrtenyacht umgebaut hat. Dafür waren wir auch gerne bereit gewisse Komforteinschränkungen auf uns zu nehmen. Während des Törns zeigte sich dann, dass das Leben an Bord der ASSA trotz ihres kargen Inneren durchaus angenehm ist. In den Rohrkojen liegt und schläft man gut, Adi, unser Smutje, verstand es selbst mit dem nur einflammigen Kocher, hervoragende Pasta für die gesamte Crew zu zaubern, die Navigationszentrale ist genial, nur das im Salon freistehende WC ist etwas gewöhnungsbedürftig. Hier hat Hannes zur Abgrenzung zur Küche hin einen Vorhang aus Segeltuch angebracht. Eine kleine Veränderung gegenüber dem Zustand beim Race, die sich aber mit Sicherheit nicht auf die Performance des Schiffs auswirkt.

 

Bereits der Einkauf am Morgen vor dem Auslaufen war eine gewisse Herausforderung. 14 Mann für eine Woche am Schiff; da kommt schon einiges zusammen. Der kleine Supermarkt am Hafen in den wir eingefallen waren, wirkte dannach ziemlich leergeräumt. Nach einer kurzen technischen Einschulung durch Skipper Max, laufen wir am 11.6. mittags aus dem Hafen von Falmouth mit Ziel Rotterdam aus. Aufgrund des enormen seglerischen Potenzials der ASSA und der günstigen Winde, benötigten wir für diese fast 400 Seemeilen lange Strecke nicht einmal zwei Tage. Die Prüfungskandidaten wurden dabei ordentlich gefordert. Schon das Segelsetzen ist auf so einem Racer anspruchsvoll. Das Großsegel mit fast 120 qm Segelfläche und  ca.150 kg Gewicht an Deck zu hieven, anzuschlagen und dann mit dem Grinder am 28 m hohen Mast hochzuziehen, das ist nichts für gemütliche Fahrtensegler. Aber die waren auch nicht das Zielpublikum von ASSA ABLOY special. Die Windrichtung erlaubt es uns auch bald den Gennaker zu setzen. 330 qm Seglfläche erfordern dabei schon ein gewisses seglerisches know how. Weil wir einige Regattasegler im Team haben, funktioniert es gleich beim ersten Mal super und wir rauschen mit bis zu 16 Knoten Fahrt durch den englichen Kanal der Nordsee entgegen. Am späteren Nachmittag zwingen uns von Westen heranziehende kräftige Schauer zum Bergen des Gennakers, Setzen eines Reachers und Reffen des Großsegels. Genial dann der Sonnenuntergang über den Kreidefelsen von Dover. Der extrem starke Schifffahrtsverkehr in der Straße von Dover und die Fülle von Seezeichen in diesem Seegebiet, stellte bei der hereinbrechenden Dunkelheit auch große Ansprüche an die navigatorischen Kenntnisse der Prüflinge. Die Nordsee empfängt uns mit kräftigem Wind und der bekannt kurzen ruppigen Welle, was sich vor allem bei Andi in einer veritablen Seekrankheit niederschlägt. Die gut 20 Seemeilen lange Einfahrt in den Port of Rotterdam, Europas größten Hafen, fordert dann vor allem den Rudergänger. Er hat die verantwortungsvolle Aufgabe die ASSA heil durch das Gewirr der ein- und auslaufenden riesigen Pötte hindurch zu steuern. Nachdem sich das offensichtlich nicht viele Segler antun und Segelyachten hier selten sind, werden wir noch kurz vor Erreichen unseres ersten Etappenzieles von der Küstenwache per Blaulicht angehalten, dürfen aber nach dem Verprechen heute abend beim EM-Spiel Holland gegen Frankreich den Holländern den Daumen zu drücken, bald wieder weiterfahren. Müde aber zufrieden laufen wir nach 2 Tagen und 2 Nächten auf See in Rotterdam ein. Nachdem wir unser Schlafdefizit mit einem kleinen Nachmittagsschläfchen etwas ausgeglichen haben, stillen wir unseren großen Hunger in einem Steakhouse mit riesigen Pfeffersteaks und feiern den Geburtstag unseres Crewmitgliedes "Floh" mit einer Torte.

 

Auch für die nächsten beiden Tage haben wir uns interessante Etappenziele ausgesucht. Zunächst die westlichste der ostfriesischen Inseln Borkum und dann Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland. Weil  auch auf diesen Etappen für uns günstige Winde wehen, haben wir jeweils genug Zeit an Land einiges zu unternehmen. So in Borkum einen Radausflug an den Badestrand und in die Stadt und in Helgoland einen Spaziergang am Rundweg entlang der Steilküste zu dem von tausenden Seevögeln bevölkerten Lummenfelsen. Abends findet sich dann das gesamte ASSA Team mit der österreichischen Nationalflagge in der Hafenkneipe ein, um eine zweites Cordoba mitzuerleben und zu sehen wie die Össis die Piefkes von der EM nach Hause schießen. Leider bleibt das nur Wunschdenken und wir müssen uns in unserem fußballerischen Selbstwertgefühl weiterhin am nun schon 30 Jahre zurückliegenden Cordoba aufrichten.

 

Die letzte Etappe führt uns zunächst zur Elbemündung, um von hier aus  in den Nord-Ostseekanal einzufahren. Wir haben dabei nochmals Gelegenheit bei herrlichem Wetter auf einem langen Steuerbordschlag unter Gennaker das seglerische Potenzial dieser Yacht der Extraklasse zu genießen. Nachdem wir durch die Schleuse Brunsbüttel in den Ende des 19 Jahrhunderts erbauten Kanal eingefahren sind, gilt es noch die mehr als 50 Seemeilen im Kanal unter Motor zurückzulegen bis die ASSA die Schleuse Holtenau passiert und wir die Ostsee ereicht haben, wo unserer abenteuerreicher Prüfungstörn über fast 800 Seemeilen am Abend des 17.6.in der Kieler Förde an der Mole des noblen Kieler Yacht Club zu Ende geht. Bei einem gemeinsamen Abendessen bleibt es dem Obmann der Prüfungskomission des Österreichischen Segelverbandes Richard Holler vorbehalten, allen Prüfungskandidaten die begehrten FB 2 und FB 3 Führerscheine  zu überreichen. mariteam gratuliert allen frischgebackenen Führerscheinbesitzern und wünscht ihnen viele schöne Segeltörns.

 


Bilder Klick vergrößern

maritaeam Training & Coaching mariteam Yachtcharter mariteam Equipment