Direkt zum Textinhalt springen
Hier folgt die Adresse und Kontaktdaten
mariteam Equipment KG
E-Mail Symbol

 

Am 15. Februar 2011 stechen wir zu acht mit dem Katamaran Montecristo vom Typ Island Spirit 400 in See. Der Weg bis dahin war für sich genommen schon ein kleines Abenteuer. Der Katamaran El Grande, eine Belize 43, mit der wir eigentlich in den Cuba Törn hätten starten wollen, schien ihren Weg zurück in den sicheren Hafen der Marina Cienfuegos nicht ganz planmäßig gefunden zu haben. Nun standen da am Steg eine Crew tatendürstender Segler aber leider keine El Grande.
Abgesehen davon mussten wir am darauf folgenden Tag in aller Früh schon feststellen, dass der lokale Obst-und Gemüsemarkt ausgerechnet an diesem Morgen nicht geöffnet sein würde. Dieser Segeltörn versprach also vom ersten Tag an improvisationstechnisch abenteuerlich zu werden. Doch eine motivierte und vor allem hungrige Crew samt Skipper lässt sich von solchen Banalitäten nicht bremsen. Während wir also noch nach einer günstigen Lösung für unsere abstinente El Grande suchten, konnte die Beschaffung von Proviant bereits in Angriff genommen werden. Auf der Jagd nach Lebensmitteln durchstreiften wir die kubanische Nachbarschaft, kosteten Guaven in dunklen Hinterzimmern, wo die Santa Maria der Miss April eines Playboy Kalenders auf der gegenüber liegenden Wand einen nachsichtigen Blick zuwirft, und wo neben Gartensesseln und Designer Schuhwerk aus dem letzten Jahrhundert hinter staubblinden Fensterscheiben auch äußerst nützliche Plastiktüten verkauft wurden. Geradezu heuschreckenartig fielen wir über alles her, das grüne Blätter und ein Preisschild vorzuweisen hatte. Drei dottergelbe Cubataxis schlängelten sich in den Nachmittagsstunden durch lokale Hinterhöfe und Kilopreise erlebten an den Straßenständen Höhenflüge sobald man unserer ansichtig wurde. In geschmackvoll beschallten Supermarktgängen fanden wir dann zwar stabile Preise doch stellten wir als wohlstandsverwöhnte Europäer einigermaßen überrascht einen erheblichen Mangel an den elementarsten Lebensmitteln fest. Semierfolgreich kehrten wir also mit der Ausbeute eines Einkaufstages zur Marina zurück und nur drei Stunden später fanden wir uns erneut auf den Strassen Cienfuegos - mit all Ihren grabenartigen Schlaglöchern - wieder. Die Federung der Taxi-Kutsche, die wir uns für die Fahrt zum Restaurant genommen hatten dämpfte allerdings sämtliche Stolperfallen des Bodenbelags einwandfrei ab, unser Skipper stellte sich als souveräner Temporär-Kutscher heraus und das Ross legte sich für unsere knurrenden Mägen voll ins Zeug. Die Vorfreude auf die lokale Küche war groß, die freien Sitzplätze allerdings gering und so fanden wir uns unvermittelt im Wohnzimmer eines - wie wir annehmen - Familienmitglieds unseres Kutschers wieder. Wenn es die Dame des Hauses auch etwas überrascht haben mag, auf einen Schlag acht hungrige Segler an Ihrem Esstisch zu finden, bekochte und verköstigte sie uns doch hervorragend.
Eine Lösung für die abgängige El Grande fand sich am nächsten Morgen. Wir würden mit der Montecristo, unser Heim bis zu diesem Zeitpunkt, voraussegeln und ein Team der Marina würde uns später mit der überstellten El Grande einholen. Ein Schiffaus- bzw. umzug auf See hatte bis dato auch noch niemand der Crew erlebt – das versprach interessant zu werden. Am 15. Februar um Zwanzig vor Zehn Ortszeit verlassen wir nun die Marina Cienfuegos in Richtung unseres ersten Ziels, Cayo Blanco. Die Montecristo erweist sich als ein Kat mit vortrefflichen Anlagen zum Genuss des Lebens an Bord. Besonders die an eine Tribüne erinnernde Heckbank findet bei der Crew großen Anklang. Da sitzt es sich mit einem Sundowner in der einen und einer Robustos in der anderen Hand recht gemütlich und doch gleichzeitig cubanisch stilvoll. Der Umstand, dass ein Kranz Knoblauchzehen einem Mistelzweig gleich über dem dort jeweils Thronenden baumelt, wird auch noch in den kommenden Tagen zu so manchen Heiterkeiten führen. An diesem ersten Segeltag lassen wir uns alle gern einen in seiner Ausprägung selbstbewussten Wind um die Nase wehen und der Ein oder Andere lauscht dem Rauschen des zwischen den beiden Schwimmern durchströmenden Wassers, sowie dem gelegentlichen Brummen einer der beiden an eine Welle schlagenden Rümpfe. In jedem Fall genießen wir das sanfte Schaukeln, welches sich eben nur beim Segeln unter den eigenen, sonst nur an festen, unbewegten Boden gewohnten Fußsohlen einstellt. Unser erstes Ziel ist Cayo Blanco.Hier sorgen die Palmen für eine reiche Ernte an Kokosnüssen. Essentiell für den klassischen Coco Rico und das tropische Frühstücksmüsli.
Wenn in den kommenden Tagen sicherlich noch beeindruckendere Strände zu erwarten sind, so ist der erste Blick auf ein hervorblitzendes Band Sandstrand entlang einer Insel und sich in einer Brise wiegenden Palmen doch jedes Mal wieder ein Hochgenuss für an Zivilisationsbauten gewöhnte Sinne. Genüßlich graben sich Zehen in sonnenwarmen Sand, lässt man Salzwasser die Fußsohlen unterspülen und blinzelt dem blitzblauen Horizont entgegen. Die Farben so intensiv, dass einen fast schmerzt länger als ein paar Augenblicke hinzusehen.
Doch man spürt, dass wir uns den Zangen der Zivilisation noch nicht ganz entwinden konnten. Die in Reih und Glied aufgestellten, plastikweißen Liegestühle zeugen noch von mehr oder weniger regelmäßigem touristischem Treiben auf Cayo Blanco. Außerdem erleben wir hier den bis auf weiteres letzten Restaurant Abend, an Land reich bewirtet von Massimo, dem stillen Inselgastronomen, bei dem Liebe durch den Magen und Hausbiber Monika aus und ein geht.
Zu späterer Stunde, bei sich biegenden Paella Platten, Langustenschwänzen und Gambas prognostizieren sowohl Skipper als auch Coskipper Schrägstrich Meisterfischer mindestens einen Biss für die morgige Segeletappe – und sie sollten Recht behalten.
Bevor wir allerdings am Morgen zu unserer nächsten Etappe aufbrechen hat uns die El Grande eingeholt und geht um Sieben Uhr Steuerbord längsseits. Innerhalb nur einer Stunde geht ein generalstabsmäßig organisierter Umzug von Crew, Gepäck und Lebensmittel Ladung von statten. Auf Wiedersehen Montecristo, hallo El Grande.
Weiter geht’s auf unserem Törn in Richtung Cayo Breton. Tiefblaues Meer und ein in rosé Tönen gewischter Morgenhimmel lassen einem selbst beim Zähneputzen an der Reling versonnen Gedanken nachhängen. Das Klappern der Frühstücksvorbereitungen in der Bordküche, der Geruch von frischem Kaffee und Brot lassen dann selbst den überzeugtesten Langschläfer wach werden. Doch wer steht für Kokosnuss Stücke im Müsli, ofenwarmes Lungauer Ciabatta und selbstgemachte Marmelade eigentlich nicht gern auf? Gestärkt machen wir uns bald auf den Weg zur Cayo Breton – ein entspannter Segeltag liegt vor uns. Unsere Fischer beziehen mit vier Leinen und einer bunten Auswahl an Ködern optimistisch Position am Heck. Gleich bei Erreichen der 20 m Isobate zupft es promt an Gernots Angel und unser Meisterfischer hat die Fangsaison dieses Törns mit einem Barracuda (2,20 kg, 85cm) ganz offiziell eröffnet. Fisch Nummer zwei lässt sich auch nicht lange bitten und beißt herzhaft, kaum sind die Leinen wieder draußen, in den springfreudigen Rapalla Köder unseres Skippers Erhard. Laut Rudi, seines Zeichens cubanischer Beamter der Fisch-Vermessungsbehörde, hatten wir einen Albino Barracuda – der Schock lies ihm sprichwörtlich alle Farbe aus dem Fischgesicht weichen - mit 3,5kg und 90cm gefangen. Kurz vor Dienstschluss nimmt Rudi noch die Vermessung unseres dritten Fangs - ein Bonito mit 1,70kg und 50cm - vor. Das Abendessen ist gesichert und Skipper wie Coskipper freuen sich über ein erfülltes Fisch Tagessoll. Der Bonito wird noch während der Fahrt unter Supervision unserer medizinisch versierten Zahntechnikerin Ida zu köstlichem Sashimi verarbeitet. Bei dem nun rasch schwindenden Tageslicht lassen wir uns von heimkehrenden Fischern in die speziell cubanisch betonnte – dürre Mangroven-Stecken ragen wie Slalom Pfosten aus dem Wasser; bezeiten sogar mit grünen, weißen oder roten Plastiktüten zur Orientierungshilfe für Ortsunkundige umwickelt -  in die Lagune der Estero Ingles lotsen. Die Fischer kommen zuerst in einer kleinen Abteilung alsbald zu uns an Bord und ob der herzlichen Begrüssung mit Bier, Lungauer Speck und Schokoladen Keksen wird eifrig Spanisch in Deutsch und Deutsch in Spanisch übersetzt. Nun kommen mehr Mitglieder der Fischerboot Crew zu uns und Klaus, Fachmann des Verbalen, hat es nicht leicht alle auf ihn einprasselnden Informationen hin und her zu vertonen. Schließlich entscheidet sich der Cucinero, ein Bär von einem Cubaner, uns in die Feinheiten der Langustenzubereitung einzuführen und während er in unserer Bordküche vergebens nach Majonaise sucht werden zu Tisch bereits Pläne für einen Langusten Tauchschulungsgang geschmiedet.
In der Lagune zwischen Cayo Alcatraz und Punta Ingles liegen wir wie in Abrahams Schoss ruhig vor Anker , während uns gut und gerne sieben Windstärken um die Ohren heulen, die es einem schwer machen die Flüssigkeit aus der Rumflasche in ein Glas und nicht in das Gesicht des in Lee Sitzenden zu verteilen.
Am nächsten Tag werden wir zur Mittagszeit von den Fischern auf ihr Boot eingeladen um den Langusten fachgerecht zu Leibe zu rücken. Das Fischerboot macht auf den ersten Anblick den Eindruck eigentlich jede Minute dem Rost und Materialalter zum Opfer zu fallen, doch erst einmal an Bord müssen wir feststellen, dass dieses Vehikel nicht nur eine vorbildliche Ordnung seiner Ladung, sondern auch bestmögliche Hygiene – unter diesen Umständen – vorzuweisen hat. Etwas Augen machen wir dann allerdings doch als wir der Art und Weise wie hier der Retourgang eingelegt wird ansichtig werden: der Hebel hängt sprichwörtlich schon am seidenen Faden und wird durch eben jenen als direkte Verbindung zwischen Schaltpult und Maschine mit einem wohldosiertem Zug eingelegt.
El Capitan steuert aus der Lagune wieder ins offene, seichte Wasser. Die Sonne steht hoch und so sieht man bereits vom Bordrand aus durch das flüssigem Glas gleichendem Wasser hinunter bis zu den weißen Platten, die von den Fischern als Falle für Langusten ausgelegt werden. Es winken die Fischer zu folgen und eine Partie Europäer springt ins warme Nass zur Ersten Einheit im „Cuban Style Langustino-Fishing“.
Nach einer im höchsten Maße eindrücklichen wie anschaulichen Schulung bei den Fischern kehren wir schließlich an Bord der El Grande zurück. Es geht aus der Lagune auf zum Strand von Cayo Alcatraz für eine kleine Badeeinheit bzw. Stranderlebnis. Sämtliche Postkarten Ansichten verhöhend präsentiert sich uns eine weitere Trauminsel gespickt riesigen Muscheln im Überfluss - eine schöner als die andere.
Wer hier zwischen El Grande und Strand schwimmt, hat mit einer nicht unbeachtlichen Strömung - gut zwei Knoten ausfließend durch die Boca Grande – zu kämpfen. Der Dingi Transport Service zwischen Insel und Schiff wurde unter diesen Umständen gerne in Anspruch genommen. Atemberaubendes bietet uns nach Sonnenuntergang ein Stern berstendes Firmament. Noch zur Dämmerungen beobachten wir nicht viel Spannenderes als ein recht weit verstreutes Auftauchen, kaum mehr als ein paar blasse Punkte über dem Horizont. Doch wenn zu Beginn der Nacht auch kaum mehr als ein zaghaftes Blitzen wahrzunehmen ist, so füllt sich die tiefschwarze Kuppel über unseren Köpfen bald mit einer Vielzahl an Lichtern. Wer den Blick nach oben richtet taucht ein in den Anblick einer Unsumme an Glimmen, Blitzen und Leuchten. Aus einem Lichtgesprenkeltem Nachthimmel blinzeln uns dieselben Sternbilder zu, die auch schon den Seefahren im 15. Jahrhundert den Weg wiesen. Der Blick wandert von Bogen und Schwert des Orion zum Aldebaran im Sternbild des Stier und weiter zur Capella im Fuhrmann, orientiert sich entlang der Deichsel des kleinen Wagens und findet schliesslich den gelassen schimmernden Polarstern. Hat man die Lichterketten im Geiste erst einmal zu Strukturen und Formen geordnet findet man sich nicht mehr ganz so verloren bei der Betrachtung des Nachthimmels. Sei es die nördliche Krone, Cassiopeiae oder Regulus im Löwen eine Konstellation nach der anderen entziffern wir mithilfe von Sternenkarten die Nacht. Wenn wir zu späterer Stunde an Deck stehen, die Köpfe in den Nacken gelegt bricht ein wahrhaftes „ich sehe was, das du nicht siehst“ aus. Durch den Fingerzeig eines Nachbarn fügen sich gerade noch wie zufällig gestreute Blinklichter zu einer erkennbaren Form und Lichterkette zusammen. Von einem Moment zum nächsten sieht man keine Sternenspritzer mehr sondern einen Schiffskiel und Segel, Löwe, Hund oder Seeschlange – sowie eine regelrechte Parade von Figuren der griechischen  Mythologie.
Ein neuer Tag ein neues Ziel. Am 19. Februar  machen wir uns in aller Früh auf den Weg zum Canal de Caballones. Auch bei dieser Etappe können wir uns über den „Biss“ nicht beschweren – zwei Barracudas jeweils um die 4 kg und ein Bonito finden unsere Köder einfach zu gut um ignoriert zu werden – und gegen Mittag verspeisen wir noch, was wir an eiweißreichem Schalentier-Überfluss des Vortrages nicht wegputzen konnten. Um halb Zwei Uhr werden dann auch schon die Segel geborgen – Punktgenau nach dem Langusten Mittagsmenü und noch rechtzeitig vor dem Nachmittags Kaffee.
Vor Cayo Anclitas im Canal de Caballones wird heute kurzentschlossen geankert und nachdem das Manöver abgeschlossen war lachte uns ein weiterer Strand im weichen Licht der Nachmittagssonne entgegen. Der Sand wie puderfeiner, brauner Zucker und das Meer leckt an den auslaufenden Rundungen der Insel. Bei einem Erkundungsausflug an Land wird eine Muschel-Mangroven Skulptur fälschlicherweise Gernots Fischerhänden zugeschrieben und man muss doch mit einiger Enttäuschung feststellen, dass diese Installation wohl nicht dem künstlerischen Ausformungen eines der Crewmitglieder der El Grande zu zuschreiben ist.
Ein besonderes Highlight präsentiert die Küche heute Abend: die Mannschaft wird mit einem Vier-Gang-Menü verköstigt. Den Auftakt machen Langusten und Barracuda in Tomaten-Ingwer Jus an traditionellem Krautsalat Lungauer Art. Es folgen Bonito Sashimi, heute mit einer neuen Dipp Kreation Gernots - Wasabi, Honig, Rum - und den krönenden Abschluss bilden Spaghetti mit Langustinos al Pomodoro pikante. Unser Cucinero-Erfolgsgespann Rudi, Herbert und Gernot stellen auch an diesem Abend wieder sicher, dass keiner ab Bord hungrig ins Bett gehen muss.
Während des Präparierungsprozesses eines Barracuda Gebisses, zwecks eines entspannteren Ambientes auf dem Schmerzstuhl der Praxis unserer Zahntechnikerin Ida, schlittert eben jene etwas ungeplant ins Wasser und auf ihre Rufe um kräftige Assistenz beim Wiedereinstieg ins Trockene wird zwar keine Hand gereicht, dafür aber gleich mehrere Kameras gezückt.
Am nächsten Morgen geht es auch schon weiter zur Pasa Cachibocca, doch beim Versuch Abzulegen haben wir mit einem höchst unwilligen Motor zu kämpfen und müssen dem Starter erst noch mit einem Hammer als schlagkräftigerem Argument gut zureden. Nachdem also das Problem auf diese Weise zwar nur provisorisch dafür aber erfolgreich behoben werden konnte, lichten wir den Anker und machen uns bei solidem, östlichem Wind auf den Weg.
Bei Annäherung an die Pasa Cachibocca zerrt es wieder an Gernots Leine, welche dem enormen Zug allerdings nicht standhalten kann und leider reißt - Köder weg, Fisch weg. Und wer hätte jemals gedacht, dass unser Bär von einem Fischer jemals „hoits mi!“ rufen würde? Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Leinenriss einem Hai zuzuschreiben ist, kann als gegeben betrachtet werden. Nach einem kurzen Badestop am westlichen Ende von Cayo Cachibocca finden wir nun auch unseren Ankerplatz für die herannahende Nacht. Wieder eine durch Mangroven geschützte Stelle, die uns von den Wellen des offenen Wasser gut abschirmen wird. Während der Nacht frischt der Wind allerdings auf satte sieben Windstärken auf und Anna muss beim Abspülen die Teller gut festhalten damit sie ihr nicht unterm Pritt Schwamm davon wehen. Da helfen uns leider auch die Mangroven nicht. "Und wenn's die Gläser schon mal aus dem Cockpit fegt, dann weiß man, dass ein Lüftchen weht". Der Wind kommt aus Nord und die Strömung steht fast dagegen.
Am darauf folgenden Morgen, während der Vorbereitungen zum Ankerlichten, sichtet Anna ihr handbesticktes, brasilianisches Handtuch vom Meeresgrund weiß herauf schimmern.  Ebenjenes war ihr am Vorabend bei lauschigen 7 Windstärken leider von der Trockenstation an der Reling gerissen und als "verschollen" klassifiziert bzw. aufgegeben worden. Bei 2 Knoten Strömung, mit einer Schot um die Brust gesichert sowie dem Gaff als Greifwerkzeug bewaffnet stürzt sich Anna zur Bergung Ihres Lieblingshandtuchs in die Tiefe - und kommt erfolgreich mit Tuch wieder an Bord. Um dieses Stück Frotté werden sich im Anner’schen Clan zukünftig noch Legenden von der Pasa Cachibocca ranken.
Neben den Ereignissen an Bord bemerken wir nun allerdings auch die einmalige Färbung des Meeres. In der schmalen Einfahrt, die uns einen sicheren Ankerplatz für die nächtlich windigen Stunden bot, ziehen sich nun helltürkise Bänder, Dünen gleich, unter der Wasseroberfläche entlang. Der Kontrast zwischen tiefblauer Morgensee und dem milchig wirkenden Bändern erinnert an die fortströmende Farbe einer ausgwaschenen Künstlerpalette.
Die nächsten größeren Abenteuer erwarten uns während der Ansteuerung unseres Ankerplatzes nahe der Cayo Algodon Grande. Trotz genauen Blicks in die Seekarte und eines scharfen Auges auf den Tiefenmesser sitzen wir im seichten Wasser vor der Insel mit dem linken Schwimmer auf einen Korallenstock auf. Situationen, die man sonst nur in der Theorie oder aus dem Buch kennt, halten doch für den unerfahrenen Segler einen ordentlichen Schrecken bereit. Doch Skipper, Coskipper und der Rest der Crew arbeiten konzentriert, effektiv und ruhig in einer Art und Weise zusammen, die ebenfalls aus dem Bilderbuch hätte stammen können. Mit Gernot, der uns im Schnorcheldress die Lage unter der El Grande beschreibt, Rudi und Herbert, die den Zweitanker mit dem Dingi ausbringen, Ida und Anna die Kommunikation und Handgriffe am Schiff übernehmen, sowie unserem Skipper der die Maschinen wie Komandoführung inne hat, sind wir innerhalb von 15 Minuten ohne größeren Schaden vom Korallenstock „herunter gewinscht“ und schon wieder weiter auf dem Weg zum tatsächlichen Ankerplatz.
Kaum ist diese Hürde gemeistert, sehen wir uns schon mit der nächten konfrontiert: Diesmal in Form einer leeren, zweiten Gasflasche - eine Gasflasche, die dringend benötigt wird - besonders jetzt da die erste zur Neige gegangen ist. Kein Gas bedeutet für uns keinen Kaffee, keine Nudeln, keinen Reis und, dramatischer Weise, kein echt Lungauer Ciabatta. Aber der innovative Segler von Heute weiß sich auch in solchen Situationen zu behelfen. Das Dingi wird schnell zu Wasser gelassen und in alter Trapper Manier  Mangroven Holz gesammelt, um den Grill am Heck anzuheizen. Heute werden Mangroven-Grill Langusten nach Art des Hauses serviert. Das leicht rauchige Aroma verleiht den Schalentieren eine ganz neue Geschmacksnote - perfekt begleitet vom lauwarmen Krautsalat.
Ein glückliches Ende nimmt unsere Gaslosigkeit bei den Cayos Cuervo – den Raben Inseln. Eine Abteilung, bestehend aus El Capitan Erhard, Rudi unserem Controller in finanziellen Angelegenheiten, Vertreter der Cubanischen Vermessungsbehörde sowie verehrtem Cucinero und Klaus, unserem Spanisch sprechendem Langusten Liebhaber, bricht mit Dingi und Geschenken auf zu den Shrimps Fischern, die unweit von uns ebenfalls vor Anker gegangen sind. Wir bekommen sowohl Gas, wenn auch nur geliehen, als auch köstliche, frische Shrimps. Das Gas Problem wäre somit vorübergehend gelöst und zur Feier des Tages verspeisst die Crew heute einen ganzen Kübel Shrimps con Pasta und auch sonst wird vorgekocht was Vorräte und Gas hergeben. Ida zaubert zur Krönung des Abends einen Manner-Wafferl Vorrat hervor - eine ehemals potenzielle Notration über die sich die Crew zum Kaffee nun freuen darf. Am nächsten Morgen bringen die Fischer, dass für uns bis Dato unerklärliche Kunststück zuwege auf offenem Wasser, ohne mehr Werkzeug als ihren Einfallsreichtum und als wäre es nichts herausfordernderes als ein Wassertausch, Gas von ihrer Flasche in unsere nachzufüllen. Es ist tatsächlich so, wie es unser Skipper bereits bei der Vorbesprechung angekündigt hatte: solange die cubanischen Fischer in der Nähe sind kann einem fast nichts passieren. Von der Hilfsbereitschaft, Gastfreundlichkeit und dem Improvisationstalent der Fischer sind wir tiefbeeindruckt. Hier wird einander mit einer Selbstverständlichkeit geholfen, die man anderorts noch vergeblich suchen muss.
Die nächste Etappe wird uns an der nördlichen Seite der Jardines de la Reina, den Gärten der Königin, zurück in Richtung Cienfuegos führen. Die Navigation durch einige ausgesprochen enge Inselpassagen sowie eine Nachtfahrt stehen uns noch  bevor. Dank entsprechender Vorbereitung und guter Zusammenarbeit verlaufen schließlich sowohl die Durchfahrt zwischen den Inseln als auch die Nacht erfreulich entspannt. Mit dem Morgengrauen hebt sich nicht nur die scheinbare Schwere einer relativ mondlosen wie windzögerlichen Nacht sondern auch stets das Gemüt der aktiven Crew und frisch gekochter Kaffee Geruch belebt die müden Geister, während sich die Sonne gerade über die Kimm erhebt wird bereits der Spi von herausfordernden Dimensionen gesetzt und wir beschleunigen, rauschend dem neuen Tag entgegen. Leider ist die Euphorie nur von kurzer Dauer da das Spifall dem Zug des 180m2 Spinakers nicht länger standhalten kann und reißt. Unglaublich wie so viele Meter Stoff plötzlich seufzend in sich zusammen fallen und gen Wasser rauschen können. Reaktionsschnell finden sich Skipper und Crewmitglieder an der Reling und zerren das Segel an Bord bevor es unter den Rumpf gezogen werden kann.
Für unsere Fischer an Bord ziehen wir auf dem Weg zu unserem Zwischenziel, der Hai berüchtigten Banca de Jagua, ein paar Runden entlang der Riffkanten, wobei wie aufs Stichwort bei einer Wassertiefe von 20m sofort ein Barracuda an mindestens einer unserer vier ausgelegten Leinen hängt. Schließlich suchen wir uns einen Ankerplatz auf der Banca de Jagua – einem Plateau, welches aus tausenden Metern Wassertiefe herauf bis etwa drei Meter unter die Wasseroberfläche ragt und rings umgeben ist von den in Cuba so typischen, steil nach unten fliehenden Riffkanten. Wie wir uns haben sagen lassen ein Hai-Dorado für alle jene die das Adrenalin lieben und abgesehen davon ein netter Badestop nach einer langen, finsteren Nachtfahrt. Hier verweilen wir nur ein paar Stunden und unser nächtes Ziel ist bereits die Marina Cienfuegos, von der unsere Reise vor nur etwa zwei Wochen ihren Ausgang genommen hatte.
Rückblickend hat man jedoch den Eindruck, man habe eher zwei Monate als zwei Wochen mit Kristall-Wasser Planschen, Langusten Schlemmen, Inselerkundungen, Sterndeuten und dem durch Wellenhügellandschaften Pflügen mit einem Katamaran verbracht – und es hätte wohl niemanden gestört wären es tatsächlich zwei Monate gewesen. Cuba bietet dem abenteuerlustigen Segler immer wieder Gelegenheit noch unbeschriebene Passagen zu besegeln und einsame Strände zu erkunden. Hier, fernab des Alltags, taucht man in eine andere Lebenswelt ein, in der ein Tag mit der Morgensonne beginnt und im Rauch einer Zigarre unter dem Sternenhimmel ausklingt.

 

 


Bilder Klick vergrößern

maritaeam Training & Coaching mariteam Yachtcharter mariteam Equipment