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caribbean special

 

Karibisches Meer

 

30.11. - 19.12.06

 

Am 1.12. startete das caribbean special Team auf dem Katamaran Belize 43 "Pyrite" von Martinique zu einer fast dreiwöchigen Seereise durch das Karibische Meer mit Ziel Bonaire. Die Route führte zunächst durch die Windward Islands südwärts und dann weiter nach Westen über die der Nordküste Venezuelas vorgelagerten Inseln bis zu den niederländischen Antillen. An Bord Skipper Erhard Haupolter und eine engagierte Crew aus neun Personen, teils erfahrene Segler, teils Neulinge, Basisproviant für den gesamten Törn, ausreichend Wasser und Getränke und eine umfangreiche Fisch- und Tauchausrüstung.

 

 Nachmittags laufen wir aus Le Marin aus und durch den kräftigen Passatwind, der uns guten Speed beschert, gelingt es uns noch vor Einbruch der Dunkelheit in der berühmten Marigot Bay auf St. Lucia vor Anker zu gehen. Weil wir unseren ersten selbstgefangenen Fisch beim Anbordholen verloren haben, stehen heute - aber für längere Zeit zum letzten Mal - Spaghetti am Speiseplan. Nachdem wir unseren großen Hunger gestillt haben, testen wir unser Dinghy mit 6 PS Außenborder, um an Land zu fahren und in der direkt an der Wasserfront gelegenen Bar des eleganten Doolittel´s Restaurant unsere ersten karibischen Drinks zu genießen.

 

Am nächsten Morgen segeln wir in die einige Seemeilen weiter südlich gelegen Soufriere Bay, um von hier aus den fast 800 m hohen Petit Piton über dessen Nordostflanke zu besteigen. Der schweißtreibende Aufstieg auf dem kleinen, bis zu 45° steilen, durch dichten Regenwald führenden Pfad ist heute eine besondere Herausforderung, weil immer wieder Regenschauer niedergehen und das Gelände extrem rutschig machen. Zum Glück habe ich eine lange Schot vom Schiff mitgenommen, mit der wir die schwierigen Stellen gut absichern können, sodass alle wohlbehalten den Gipfel erreichen. Nur Kurt muss wegen einer Rückenverletzung zurück an Bord bleiben. Für den mühevollen Aufstieg werden wir am Gipfel mit einer grandiosen Aussicht und eindrucksvollen Tiefblicken auf unseren unten in der Bucht vor Anker liegenden Kat belohnt.

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Nach einem ausgedehnten Bad und einer kräftigen Jause starten wir abends zu unserer ersten Nachtfahrt nach Bequia, einer bei Seglern sehr beliebten kleinen, zu St. Vincent und den Grenadinen gehörenden Insel. Nach einer flotten Überfahrt mit bis zu 12 Knoten Speed, ankern wir kurz nach 3 Uhr früh in der legendären Admirality Bay. Der heutige Sonntag steht ganz im Zeichen von relaxen und easy going. Lange ausschlafen, ausgiebig frühstücken - heute gibt es schon Müsli mit karibischen Früchten und von Gottfried selbst gepflückten Kokosnüssen - , schwimmen und schnorcheln im 28°C warmen, türkisgrünen Wasser und sonenbaden am wunderschönen langen, von Palmen und Takamakabäumen umrahmten Princess Margaret Beach. Ein Teil der Crew fährt mit dem Dinghy nach Port Elizabeth, um am Markt unseren Vorrat an frischem Obst und Gemüse aufzustocken, bei Lulley´s die Fischereiausrüstung zu komplettieren und in einem Internetcafe Wind und Wetter für die bevorstehende große Überfahrt zu den Testigos Inseln zu checken. Nach einem Glas Rumpunch zum Sonnenuntergang fahren wir heute zum Dinner an Land in das direkt am Meer gelegene Gingerbread. Von dessen erhöht gelegenen Speisesaal aus, genießen wir einen traumhaften Blick über die gesamte Admirality Bay. Das Fischcurry schmeckt uns dort bei Livemusik besonders gut. Viel Spaß haben wir, als die Band "Stille Nacht Heilige Nacht" auf kreolische Art zum Besten gibt.

 

Montag 4.12.: Heute segeln wir weiter zu den Tobago Cays, einer Gruppe kleiner flacher Inseln, geschützt vor den Wellen des Atlantik durch das riesige halbmondförmige Horseshoe Riff. Wir ankern südöstlich der kleinen Insel Baradel auf nur 2 m Wassertiefe und bestaunen die hier besonders schönen Farben des Meeres, von Gold,  Braun über Blau, Türkis bis Grün. Das Schnorcheln ist in den Cays exzellent und die Vielfallt an Rifffischen beeindruckend. Barsche, Papageienfische, Snapper, Doktorfische, Kaiserfische, Grunzer und Kofferfische aber auch Barrakudas schwärmen neugierig um uns herum. Bevor wir am späteren Nachmittag den Anker zur großen Fahrt nach Westen lichten, gibt es noch ein von Betty und Mascha hervorragend zubereitetes Essen. Am Speiseplan steht unser erster selbstgefangener Fisch, ein Barrakuda den Gottfried bei Mayreau mit einer Schleppleine mit Tintenfischköder gefangen hat.

 

Die 130 Seemeilen lange Überfahrt zu der bereits zu Venezuela gehörenden Inselgruppe Los Testigos verläuft problemlos. Der Passatwind bläst mit moderater Stärke und frischt erst in Annäherung an Testigos am Morgen etwas auf. Da wir mit Kurt und Gottfried zwei weitere erfahrene Skipper an Bord haben, können wir die Mannschaft in drei Wachen aufteilen, was uns die Möglichkeit gibt, auch während dieser langen Segeletappe ausreichend zu schlafen. Die Islas Testigos beweisen wieder ihren Ruf als ausgezeichnetes Fischrevier. Hier trifft der kühlere Äquatorialstrom auf das warme Wasser der Karibik, eine Mischung die Fische wegen des dadurch hervorgerufenen Nährstoffreichtums besonders schätzen. So wie bereits bei meinen früheren Segeltörns in diesem Gebiet, fangen wir in Annäherung an Isla Nordeste zwei Fische. Einen kleinen Bonito und eine große, gut 8 kg schwere Makrele.

 

Wir ankern zunächst vor dem kleinen Dorf auf Isla Iguana, um bei der Coast Guard einzuchecken. Der nette Offizier vom Dienst berichtet uns dabei begeistert vom überzeugenden Wahlsieg von Präsident Hugo Chavez am vergangenen Sonntag. Nach Erledigung der Formalitäten und nachdem wir eine Aufenthaltsbewilligung für die nächsten beiden Tage erhalten haben, verholen wir uns in die nahegelegene South Observation Bay auf Isla Testigo Grande. Von hier aus erreicht man über eine große, von den Passatwinden aufgeworfene Sanddüne die Playa Gozman, einen grandiosen riesigen Strand an der Ostseite der Insel. Der Strand ist völlig unberührt, der weiße Sand so fein wie Puder, das Wasser glasklar und der Tiefe angepasst dunkelblau bis helltürkis. Die Windsee bricht sich im flachen Wasser und wirft große Brandungswellen auf; ideal zum Bodysurfing, mit dem wir uns stundenlang vergnügen. Dazwischen lassen wir uns im weichen Sand liegend die Sonne auf den Pelz scheinen. Einfach wunderbar!

 

Am nächsten Morgen  wechseln wir den Ankerplatz in die North Observation Bay um von hier zu unserer zweiten Bergtour in der Karibik aufzubrechen und den Gipfel der Isla Testigo Grande zu besteigen. Diese Übung ist wesentlich einfacher als der Piton, weil Testigo Grande nur ca. 300 m hoch und der Weg bei weitem nicht so steil ist. Es gilt nur den Einstieg zu finden, dann ist der Weg sogar gut markiert. Landschaftlich ist die Tour sehr reizvoll. Vor allem die riesigen Kakteen, die hier überall wachsen, sind beeindruckend und vom Gipfel aus ist der Blick über die aus acht Eilanden bestehende Inselgruppe überwältigend. Nach der Bergtour gibt es zunächst eine kräftige Jause mit von zu Hause mitgebrachtem Schwarzbrot und Speck, bevor wir noch eine Runde segeln und fischen gehen. Mit einer schönen Dorade als Ausbeute kehren wir zurück und ankern heute an einem weiteren Traumstrand in der Breakthrough Bay, zwischen Isla Testigo Grande und Isla Testigo Pequeno. Von unserem Westbalkon aus - aufgrund der beständig wehenden Passatwinde, zeigt das Heck unseres Kats vor Anker liegend immer nach Westen - genießen wir zunächst bei einem Glas Cuba Libre den herrlichen Sonnenuntergang, bevor wir uns an der frisch gefangenen Dorade und den besonders süßen karibischen Kartoffeln erfreuen.

 

Donnerstag 7.12.: Obwohl wir noch gerne länger geblieben wären, müssen wir heute weitersegeln, um in Porlamar auf Margarita ordnungsgemäß einzuklarieren. Bereits um 7 Uhr früh heißt es Anker auf und bald sind Großsegel und Spinnaker gesetzt und es geht mit Kurs 250° Richtung Porlamar, dem Port of Entry Margarita´s. Da der Passat heute ein bisschen müde ist und nur schwach weht, brauchen wir für die gut 50 Seemeilen länger als erwartet, weshalb wir erst um 14 Uhr in der Bahia de Guaraguao eintreffen. Gottfried, der Co-Skipper und ich machen uns sofort auf den Weg, um noch heute die Clearence für die venezulanischen Gewässer zu bekommen. Leider ist das aber heute nicht mehr möglich und wir werden auf morgen 9 Uhr verwiesen. Das beschert uns einen nicht geplanten Aufenthalt in Porlamar und einige interessante Begegnungen mit Weltumseglern, die hier Station machen um Reparauren an ihren Schiffen auszuführen oder ihre Vorräte an Nahrungsmitteln und Getränken aufzustocken. Auch wir machen das am nächsten Tag - Porlamar ist sensationell preisgünstig - und nachdem der Behördenkram erledigt ist, laufen wir am Nachmittag des 8.12. mit Ziel Blanquilla aus.

 

Der Passatwind hat sich von seinem kleinen Formtief  erholt und unter Spinnaker rauschen wir der Südküste Margaritas entlang der untergehenden Sonne entgegen. Nach dem Runden von Punta Arenas geht es mit halbem Wind nach Norden an die Südküste Blanquillas. Blanquilla ist eine wunderschöne Insel. Mit Ausnahme eines Stützpunktes der Coast Guard unbewohnt, unendliche unberührte Sandstrände, kristallklares türkisgrünes Wasser und eine intakte Unterwasserwelt. Die nächsten beiden Tage stehen daher ganz im Zeichen des Schnorchelns, Tauchens und Fischens. Und dabei sind wir an der von Korallenriffen gesäumten Leeküste Blanquillas besonders erfolgreich. Zwei Barrakudas sind die Ausbeute einer nur kurzen Ausfahrt, davon ein Prachtexemplar mit 140 cm Länge und einem Gewicht von gut 20 kg. Abends gibt es daher Unmengen von Betty und Gernot köstlich zubereiteten Fisch, und weil wir bei weitem nicht alles essen können, am nächsten Tag nochmals Fischsalat und ein hervorragendes kreolisches Fischcurry. Den Sonntag verbringen wir gemütlich in der Cave Cove, einer selbst für karibische Verhältnisse ganz außergewöhnlich schönen Bucht. Im Scheitel der Bucht ein Strand von puderfeinem weißem Sand, umrahmt von schattenspendenden Klippen mit einer spektakulären natürlichen Felsbrücke unter der man durchschwimmen kann und unterhalb der sich ein kleines schillerndes Korallenriff mit vielen bunten Fischen befindet.

 

Sonntag 10.12.: Heute Nacht steht die zweite große Überfahrt unseres Segeltörns am Programm. 115 Seemeilen zu den Los Roques Inseln. Kurz vor Sonnenuntergang heben wir den Anker aus dem Korallensand. Rasch sind Großsegel und Spinnaker gesetzt und weil der Passatwind heute kräftig bläst, geht es flott unserem neuen Ziel entgegen. Erschwert wird die Sache heute dadurch, dass es stockfinster ist, weil der Mond erst kurz vor Mitternacht aufgeht. Bei 6 Beaufort und entsprechendem Seegang unter Spi in einer finsteren Nacht eine tiefe Raume zu fahren, ist keine leichte Übung. Es erfordert gefühlvolles  und hochkonzentriertes Steuern. Dafür werden wir mit hervoragendem Speed - bis zu 17 Knoten - belohnt, was die Fahrzeit für diese lange Strecke deutlich verkürzt und uns eine ETA in den frühen Morgenstunden verheißt. Tatsächlich erreichen wir auch unseren Wegpunkt zur Einsteuerung in die Boca Sebastopol noch vor Sonnenaufgang. Hier bergen wir die Segel und warten ab, bis die Sonne etwas über den östlichen Horizont heraufgekommen ist, um genügend Licht für die Passage durch das Außenriff zu haben. Um halb Acht ist es soweit und mit Kurt als Ausguck in der Saling laufen wir vorsichtig zwischen den Riffköpfen hindurch in die türkisgrün leuchtende Lagune ein und gehen in Lee des Half Moon Riffs vor Anker. Ein absoluter Traumankerplatz! Gut geschützt durch das Außenriff, über das die See weiß und grün aufbrandet, liegen wir hier wie in einem riesigen Pool. Die Farben des Meeres sind überwältigend schön. Vom kräftigen Dunkelblau des tiefen Wassers außerhalb des Riffs, bis zum zarten Türkisgrün über dem Sandgrund der Lagune, finden sich alle Abstufungen an Blau- und Grüntönen. Dazu ist das Wasser so klar, dass es aussieht wie flüssiges Glas.

 

Drei Tage haben wir jetzt Zeit um die wunderbare Inselwelt der Los Roques mit ihren etwa 60 kleinen Atollen zu erforschen und zu genießen. Ein großer Teil dieser Inselgruppe ist noch nicht einmal kartografiert. Am Nachmittag wechseln wir den Ankerplatz. Wieder mit einem Mann im Mast navigieren wir in der Passage zwischen dem Außenriff und dem mittleren, den Kanal in eine Ost- und eine Westhälfte teilenden mittleren Riff hindurch nach Norden um die Nacht in der Bajo de Cabecera am Nordende des Half Moon Riffs zu verbringen. Dabei fangen wir einen 80 cm langen Barrakuda, gerade recht zum Abendessen. Am nächsten Tag geht es zunächst mit Eyeball-Navigation zwischen den Riffen weiter nach Nordwesten und nach dem Erreichen tieferer Gewässer, aber immer noch im Schutz des großen Riffs und damit bei binnenseeartigen Verhältnissen mit rauschender Fahrt unter Spi nach Cayo Remanso. Dort machen wir in der Lagune im mediterranen Stil mit Landleine und Heckanker auf nur 1,5 m Wassertiefe fest. An der Norseite gibt es hier zwischen Remanso und Carenero ein schönes intaktes Korallenriff; ideal zum Schnorcheln und Tauchen. Wir bestaunen eine Fülle verschiedenster bunter Fische; sogar ein gar nicht so kleines Exemplar eines Hais gleitet mäjestetisch am Außenriff an uns vorbei. Zum Glück scheint er sich nicht für uns zu interessieren. Nach dem Tauchgang statten wir den auf Carenero lebenden Fischern einen Besuch ab und erwerben im Tauschweg gegen eine Flasche Rum und ein Packerl Zigaretten sechs Langusten. Ich bereite sie in der von kubanischen Fischern gelernten Art zu. Sie schmecken in Olivenöl goldbraun gebraten köstlich. Dazu gibt es Curryreis. Eine willkommene Abwechslung zu unserem Barrakuda dominierten Speiseplan.

 

Mittwoch 13.12.: Heute segeln wir an die Südwestseite des Los Roques Archipels, zur Isla Tres Palmeras, einem kleinen flachen Eiland mit einem traumhaft weißen Sandstrand und zwei Palmen. Von der dritten ist nur mehr ein Rest des Stamms vorhanden, an den wir unseren Katamaran mit einer langen Leine festmachen. Heute ausnahmsweise mit dem Heck im Wind, um nach langer Zeit wieder einmal Spi zu fliegen. Dabei werden Hals und Schothorn des Spinnakers mit einer Leine verbunden, in die man sich einhängt. Dann läßt man den Spi über Schot und Achterholer kontrolliert steigen. Besonders lustig ist dabei aus mehr oder weniger großer Höhe abzuspringen, vorausgesetzt das Wasser ist tief genug. Gottfried klettert dannach noch auf die beiden Palmen, um unseren Vorrat an Kokosnüssen aufzufüllen. Auch heute bietet der Bordspeiseplan wieder eine willkommene Abwechslung. Es gibt gebratene bluestriped Grunts, wovon uns heute morgen Fischer in Cayo Remanso einen ganzen Kübel voll geschenkt haben, nachdem wir ihnen mit einem Liter Außenborderöl ausgeholfen hatten. Nach dem üppigen Mahl genießen wir bei einem Glas Rum Punch den Blick auf den grandiosen Sternenhimmel, der in den Tropen besonders klar und brilliant leuchtet, so wie bei uns nur in den Bergen in sehr kalten Winternächten  Der Orion ist gerade über dem östlichen Horizont aufgegangen, während die Kassiopeia schon unmittelbar über dem Mast der Pyrite steht.

 

Donnerstag 14.12.: Mit den Weltumseglern ziehen wir weiter nach Westen, unserem nächsten Ziel, den Islas Las Aves, bestehend aus zwei kleinen Archipelen, Aves de Barlovento und Aves de Sotavento, entgegen. Mit unserem Katamaran und unter Spi sind wir nur deutlich schneller unterwegs als die meist kleinen Langfahrtyachten. Wir haben aber auch weniger Zeit als die Weltumsegler. Leider! In Ansteuerung an Isla Sur, die größte der fünf zu Aves Barlovento gehörenden Inseln, zieht unser Fischer Gernot einen etwa 7 kg schweren Wahoo an Bord, einen der schönsten und vor allem geschmacklich besten Fische, die man in tropischen Gewässern fangen kann. Wir ankern an der Westseite der Insel, in unmittelbarer Nähe der Riffkante, dort wo die Wassertiefe innerhalb kurzer Strecke vom Seichten auf mehrere hundert Meter zunimmt. Ein perfekter Platz für einen spektakulären Tauchgang am Aussenriff. Vor allem die riesigen, am Riffabhang  wie ein dichter Wald wachsenden Korallenformationen sind beeindruckend. Und auf 30 Meter Tiefe ist es immer noch sonnendurchflutet und die Wassertemperatur beträgt 28°C. Anschließend suchen wir uns einen sicheren Ankerplatz, den wir im Schutz des großen Außenriffs, südöstlich von Isla Oeste finden. Der Sonnenuntergang ist heute erneut vom Feinsten. Orangerot sinkt die Sonne direkt ins Meer. Nach dem Abendessen ist klar: der Wahoo erhält übereinstimmend das Prädikat "Bester Fisch des Törns".

 

Am nächsten Morgen suchen wir nach einem ausgiebigen Frühstück mit Kokosnussmüsli und Ham and Eggs mit oberösterreichischem Speck, den laut Imray-Iolaire Seekarte fraglichen Pass im Außenriff. Mit unserem bewährten Navigator Kurt hoch im Mast, finden wir die Durchfahrt und erreichen sicher die Luvseite des mit Wracks gespickten Horseshoe Riffs. Im tiefen Wasser setzen wir Großsegel und Spinnaker, um zunächst die Nordspitze des Riffs zu umrunden und dann Kurs auf Ave de Sotavento zu nehmen. Beim Hereinholen eines am Außenriff gefangenen Barrakudas zerreißt uns aufgrund einer kurzen Unachtsamkeit der Spinnaker am Backbordliek. Wir müssen ihn bergen und leider die letzten beiden Fahrten unseres Törns darauf verzichten. Kurz vor dem Einlaufen in die türkisgrün leuchtende Lagune hinter dem Westkap der Isla Larga fängt unser jüngstes Crewmitglied Mascha ihren ersten Fisch, eine schöne Stachelmakrele. Die hier stationierte Coast Guard heißt uns über Seefunk auf den Aves de Sotavento herzlich willkommen und erteilt uns eine Aufenthaltserlaubnis für 48 Stunden. Gerne nehmen wir die Einladung an und gehen in einem kleinen Pool zwischen Isla Palmeras und der südlich vorgelagerten kleinen Insel über hellem Sandgrund vor Anker. Hier treffen wir wieder auf die drei kanadischen Segelboote die schon auf Cayo Remanso neben uns geankert hatten und werden freundlich begrüßt. Irgendwie gehören wir schon ein bisschen dazu, zur exklusiven Gemeinschaft der Weltumsegler. Aber leider nur für eine viel zu kurze Zeit.

 

Bevor wir am nächsten Morgen zum Tauchen an die Nordwestseite des großen Riffs fahren, klettere ich noch auf die eine der drei auf Isla Palmeras wachsenden Palmen, um frische Kokosnüsse für das Frühstück zu ernten. Den Tag verbringen wir mit tauchen, schnorcheln und relaxen in den Korallenriffen um und an den unberührten Stränden von Isla Saki Saki. Auf der kurzen Rückfahrt nach Long Island, wo wir heute die Nacht verbringen werden, beißen keine fünf Minuten nach dem Auslegen der Leinen zwei Barrakudas. Um das heutige Abendessen brauchen wir uns damit keine Sorgen mehr zu machen. Long Island ist eine Insel wie aus dem Werbeprospekt. Zur Gänze umgeben von einem puderfeinen weißen Sandstrand und einer Palme in der Mitte der Insel. Davor glasklares Wasser in leuchtenden Farben, vom kräftigen Dunkelblau bis zum zarten Türkisgrün. Wir lassen den Anker unmittelbar vor dem Strand auf Höhe der Palme fallen. Dabei kommt schon etwas Wehmut auf. Nicht ohne Grund; es ist ja unsere letzte Nacht in der wunderbaren Inselwelt Venezuelas. Ein letztes Mal bestaunen wir bei einem Cuba Libre wie die Sonne blutrot im Meer versinkt. Die beiden Fische werden heute von Betty und Gernot zur Abwechslung in Form eines Eintopf in einer scharfen Tomaten-Curry-Sauce mit Kartoffeln zubereitet. Schmeckt vorzüglich! Die Nacht ist klar, die Sterne funkeln und der Passatwind heult im Rigg der Pyrite. Wir werden diese Nächte auf See sicher vermissen.

 

Sonntag 17.12.: Letzte Etappe unseres fast dreiwöchigen Segeltörns durch die karibische See. Noch gut 40 Seemeilen zurückzulegen, Richtung Westen zu den niederländischen Antillen nach Bonaire, zurück in die EU. Die Überfahrt verläuft eher langweilig. Der Passatwind weht heute nur schwach und Vorwind ohne Spinnaker geht es nur langsam voran. Offenbar haben wir uns schon dem Rhythmus der Weltumsegler angepasst, die wir in Bonaire auf ihrem Weg in die Südsee wieder treffen werden. Aber die langsame Fahrt hat auch ihre gute Seite. So können wir noch länger die tropische Sonne genießen, die heute von einem strahlend blauen Himmel scheint. Kurz vor dem Einlaufen in Kralendjik, der Hauptstadt Bonaires, fängt Gernot einen kleinen Bonito und bereitet aus dem blutroten, wunderbar zarten Fleisch mit Wasabi, Ingwer und Limettensaft ein herrliches Carpacchio, das wir uns zum Abschied von unserer hervorragenden Fischküche dieses Segeltörns noch einmal gut schmecken lassen. Für die letzte Nacht an Bord  machen wir an der Wasserfront der Stadt an einer Boje fest. Ein eigenartiges Gefühl zurück in der Zivilisation zu sein. Flugzeuge, Autos, Discolärm... In den letzten Wochen haben wir das alles schon fast vergessen. Der Liegeplatz ist aber gar nicht so schlecht. Freier Blick nach Westen, um ein letztes Mal einen tropischen Sonnenuntergang zu erleben und sauberes Wasser für ein letztes Bad im Meer. Am nächsten Morgen übergeben wir Pyrite in der nahe gelegenen kleinen Marina an Luc, der sie mit einer kleinen Crew zurück in ihren Heimathafen Martinique segeln wird. Wir hingegen fliegen über Amsterdam zurück nach München, das uns kalt, grau und nebelig empfängt. Aber in unseren Köpfen sind die bunten Bilder dieses außergewöhnlichen Segeltörns fest gespeichert und irgendwann werden wir wiederkommen, um sie aufzufrischen und von Neuem auf Entdeckungsreise zu gehen...


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